Verhütung

Heutzutage stehen uns sehr viele Verhütungsmethoden zur Verfügung, die alle eine unterschiedliche, nie hundertprozentige, Sicherheit vor ungewollter Schwangerschaft bieten. Die Sicherheit einer Methode kann mithilfe der Methoden- und Anwendungssicherheit sowie dem Pearl-Index beschrieben werden.

Kondome, Frauenkondome und Lecktücher bieten zusätzlich Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) und sollten daher im Zweifel zusätzlich verwendet werden.

Wir möchten einen kleinen Überblick über die verschiedenen Methoden bieten, ausführliche Informationen finden sich z.B. auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Sicherheit der Verhütung

Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen mit einer bestimmten Methode, bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr im statistischen Mittel über ein Jahr schwanger werden.

Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer ist die Methode. Bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Anwendung einer Verhütungsmethode beträgt der Pearl-Index bei Frauen zwischen 19 und 26 sowie 35 und 39 Jahren 82, zwischen 27 und 34 beträgt er 86-87. Ab ca. 50 Jahren endet die Fruchtbarkeit mit der Menopause.

Der Pearl-Index berücksichtigt relevante Parameter wie Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs oder Größe der Stichprobe nicht. Das führt dazu, dass der Index bei neuen Verhütungsmethoden, vor allem wenn er durch die Hersteller veröffentlicht wird, nur eingeschränkt aussagekräftig ist. Je häufiger und langfristiger eine Verhütungsmethode eingesetzt wird, desto genauer wird der Pearl-Index.

Da bei vielen Methoden der Erfolg, also Pearl-Index von den anwendenden Personen, beziehungsweise deren Kenntnissen, Erfahrungen, der Zuverlässigkeit und Motivation abhängt, kann er auch deshalb je nach Studie stark schwanken. 

Die neuere Angabe von Methoden- und Anwendungssicherheit versucht die Aussagekraft des Pearl-Indexes zu verbessern. Hierbei wird beachtet, dass die Sicherheit der meisten Methoden ganz entscheidend von der richtigen Anwendung abhängt.

Ursache des Versagens von Verhütungsmethoden sind meist Anwendungsfehler. Daher ist der Unterschied zwischen Methodensicherheit, also das Versagen trotz optimaler Anwendung, und Anwendungssicherheit, also die praxisnahe Berücksichtigung von Anwendungsfehlern, bei den meisten Methoden so groß.

Bei vielen Verhütungsmitteln ist daher ein Pearl-Index X – Y angegeben, wobei die Methodensicherheit die kleinere Zahl X und die (tatsächliche) Anwendungssicherheit die größere Zahl Y ist.

Hormonelle Verhütung

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,3
Anwendungssicherheit: 9

Funktionsweise: Das täglich eingenommene Präparat enthält Gestagen (Gelbkörperhormon) und Östrogen. Die beiden Hormone verhindern den Eisprung und verdicken den Gebärmutterschleim was das Eindringen von Spermien erschwert. Die Pille kann durchgängig oder mit einer 7-tägigen Pause eingenommen werden.

Anwendungshäufigkeit: täglich

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,3
Anwendungssicherheit: 9

Funktionsweise: Die Mini-Pille enthält nur das Gelbkörperhormon Gestagen. Dieses unterdrückt den Eisprung und verdickt den Gebärmutterschleim.

Anwendungshäufigkeit: täglich zur selben Uhrzeit, keine Unterbrechung

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,2
Anwendungssicherheit: 0,4

Funktionsweise: Der T-förmige Kunststoffkörper wird in die Gebärmutter eingesetzt und setzt dort Gestagene frei, die den Gebärmutterschleim andicken und eine Einnistung verhindern. Der Eisprung wird nicht gehemmt, die Hormonaktivität der Eierstöcke ist jedoch verändert. 

Anwendungshäufigkeit: Je nach Hersteller hält die Hormonspirale drei bis fünf Jahre. 

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,05
Anwendungssicherheit: 0,05

Funktionsweise: Ein ca 4cm langes, weiches Plastikstäbchen, dass unter die Haut der Innenseite des Oberarms implantiert wird und in geringer Dosis Gestagen abgibt, das den Eisprung verhindert und den Gebärmutterschleim andickt. 

Anwendungshäufigkeit: hält bei guter Verträglichkeit 3 Jahre

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,3
Anwendungssicherheit: 9

Funktionsweise: Der weiche an die Vaginawand eingelegte Ring gibt gleichmäßig Gestagen und Östrogen über die Schleimhaut an den Körper ab. Wie die “Pille” verhindert er so den Eisprung und verdickt den Gebärmutterschleim.

Anwendungshäufigkeit: 3 Wochen/1 Woche Pause

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,3
Anwendungssicherheit: 8

Funktionsweise: Ein in etwa 4x4cm großes Pflaster gibt durch die Haut die Hormone Gestagen und Östrogen ab. Dadurch wird der Eisprung verhindert. 

Anwendungshäufigkeit: wöchentlich

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,3
Anwendungssicherheit: 3

Funktionsweise: Alle drei Monate wird eine Spritze mit langwirksamen Gestagen verabreicht, die den Eisprung verhindert und die Gebärmutterschleimhaut so verändert, dass sie für Spermien schwieriger zu passieren ist. 

Anwendungshäufigkeit: alle drei Monate

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,2
Anwendungssicherheit: 0,2

Funktionsweise: Monatlich wird eine Kombination aus Gestagen und Östrogen verabreicht, die den Eisprung verhindert. 

Anwendungshäufigkeit: monatlich

Barrieremethoden

Pearl-Index
Methodensicherheit: 2
Anwendungssicherheit: 18

Funktionsweise: Ein Latexgummi wird vor dem Kontakt von Penis und Vagina über den erigierten Penis gerollt. Das Gummi fängt das Ejakulat auf und Verhindert ein Eindringen der Spermien in die Gebärmutter. Außer dem Frauenkondom bietet nur das Kondom zusätzlich Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. 

Anwendungshäufigkeit: bei jedem Geschlechtsverkehr

Pearl-Index
Methodensicherheit: 2
Anwendungssicherheit: 12-20

Funktionsweise: Der 17 cm lange und 7,5cm breite Schlauch mit elastischen Ringen an beiden Enden kann bis zu acht Stunden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt werden und verhindert, dass Spermien die Gebärmutter erreichen. Es ist das einzige Verhütungsmittel, das Frauen ermöglicht sich aktiv vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten zu schützen. 

Anwendungshäufigkeit: bei jedem Geschlechtsverkehr

Pearl-Index
Methodensicherheit: 1
Anwendungssicherheit: 20

Funktionsweise: Ein individuell angepasstes und gut sitzendes Diaphragma bedeckt zuverlässig den Muttermund und muss ca eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden und 8 bis maximal 24 Stunden darin verbleiben.

Anwendungshäufigkeit: bei jedem Geschlechtsverkehr

Pearl-Index
Methodensicherheit: –
Anwendungssicherheit: 7

Funktionsweise: Auf den Gebärmuttermund wird eine feste Kappe mit Spermizid aufgesetzt. Diese kann mehrere Stunden oder kurz vor dem Geschlechtsverkehr passieren. Danach muss die Kappe mindestens sechs Stunden am Gebärmuttermund verbleiben. Die Kappen müssen individuell angepasst werden. 

Anwendungshäufigkeit: bei jedem Geschlechtsverkehr

Pearl-Index
Methodensicherheit: 9
Anwendungssicherheit: 16-32

Funktionsweise: Vor dem Geschlechtsverkehr wird ein Schwamm in die Vagina eingeführt und vor dem Muttermund plaziert. Er verhindert mechanisch und durch das Spermizid das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter

Anwendungshäufigkeit: bei jedem Geschlechtsverkehr

Spiralen & Co (Intrauterinpassare)

siehe oben unter ‚Hormonelle Verhütung‘

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,6
Anwendungssicherheit: 0,8

Funktionsweise: Ein T-förmiges/kettenartiges/kugelförmiges Kunststoffstäbchen/Nylonfaden mit Kupferzylindern wird in die Gebärmutter implantiert. Die Funktionsweise ist bei den drei verfügbaren Formen dieselbe. Die Kupferionen hemmen die Spermienbeweglichkeit und verändern die Gebärmutterschleimhaut. So wird die Befruchtung oder Einnistung verhindert. 

Anwendungshäufigkeit: Je nach Hersteller und Verträglichkeit hält die Kupferspirale drei bis fünf Jahre. 

Natürliche Familienplanung

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,6
Anwendungssicherheit: 1,8

Funktionsweise: Im Verlauf des Zyklus werden Zervixschleim, Basaltemperatur und evtl. die Beschaffenheit des Muttermunds beurteilt und dokumentiert. Dies liefert Rückschluss auf die fruchtbaren Tage (in denen eine zusätzliche Verhütungsmethode notwendig ist). Die Methode erfordert eine eingehende und sorgfältige Beschäftigung mit dem eigenen Körper. Apps z.B. von myNFP stehen zur Verfügung. 

Anwendungshäufigkeit: täglich, mehrmals

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,6
Anwendungssicherheit: 12

Funktionsweise: Verhütungscomputer übernehmen das Monitoring der symptothermalen Methode durch Temperatursensoren oder messen die Hormonspiegel im Morgenurin. So werden die fruchtbaren Tage ermittelt. 

Anwendungshäufigkeit: täglich

Endgültige Verhütungsmethoden (Sterilisation)

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,1
Anwendungssicherheit: 0,15

Funktionsweise: In einer kleinen Operation wird der Samenleiter durchtrennt. Dadurch werden dem Ejakulat keine Spermien mehr zugeführt. Die Hormon- und Spermienfunktion der Hoden bleibt erhalten. Die produzierten Spermien werdem vom Körper abgebaut. Der Eingriff beeinträchtigt die Erektionsfähigkeit im Allgemeinen nicht.

Anwendungshäufigkeit: einmalig

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,25
Anwendungssicherheit: 0,5

Funktionsweise: In einer Bauchspiegelung oder während eines Kaiserschnitts werden die Eileiter durchtrennt oder abgeschnürt. Dadurch können die Spermien die Eierstöcke nicht mehr erreichen. 

Anwendungshäufigkeit: einmalig

Unsichere Verhütungsmethoden

Pearl-Index
Methodensicherheit: 14
Anwendungssicherheit: 35

Funktionsweise: Über ein Jahr werden die Tage der Menstruation notiert. Daraus ermittelt sich ein wahrscheinlicher Durchschnittswert für die fruchtbaren Tage. Auch neue Apps wie z.B. Clue nutzen dieses “Tagezählen”. Solche Schätzungen sind ungenau und sind damit nicht zur Verhütung geeignet. 

Anwendungshäufigkeit: täglich

Pearl-Index
Methodensicherheit: –
Anwendungssicherheit: 20

Funktionsweise: Beim Geschlechtsverkehr wird der Penis kurz vor der Ejakulation aus der Scheide gezogen. Diese Methode gilt als unsicher, da Spermien häufig jedoch schon vor dem gefühlten Samenerguss durch die Harnröhre in die Scheide gelangen oder das Rausziehen zu spät erfolgt.

Anwendungshäufigkeit: bei jedem Geschlechtsverkehr

Pearl-Index
Methodensicherheit: 0,5
Anwendungssicherheit: 2

Funktionsweise: Während des aktiven Stillens wird Prolaktin ausgeschüttet, das die Aktivität der Eierstöcke hemmt. Bevor es nach der Geburt wieder zu einem Eisprung kommt, ist keine erneute Schwangerschaft möglich. Dies funktioniert für sechs Monate – allerdings nur, wenn Sie noch keine Monatsblutung hatten, voll (also mindestens alle vier Stunden) und ohne Zufüttern stillen. 

Anwendungshäufigkeit: alle vier Stunden

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