Ungewollt schwanger?

Statistisch entstehen die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant, davon wiederum ist in etwa die Hälfte ungewollt und davon entscheidet sich die Hälfte der Patient*innen für einen Abbruch. Wir gehen im Folgenden von der Situation einer “ungewollt” Schwangeren aus. 

Was tun?

  • Erste Anlaufstelle bei einer ungewollten Schwangerschaft kann der/die Gynäkolog*in oder Hausärzt*in sein
  • Informationen aus dem Internet können bei den Überlegungen zum weiteren Vorgehen helfen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da viele abschreckende Fehlinformationen verbreitet werden. Das Tabu und das Stigma rund um das Thema Schwangerschaftsabbruch begünstigen die Entstehung vieler Mythen. Unter Nützliche Links ist eine kleine Sammlung an sachlichen Quellen, u.a. auch solche, die sich bewusst diesen Mythen widmen. 
  • Die richtige Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld kann eine große Hilfe sein. Ungewollte Schwangerschaften sind keine Seltenheit und sollten kein Tabu-Thema sein. 
  • Eine zertifizierte Beratungsstelle kann in jedem Fall aufgesucht werden, auch wenn noch keine Entscheidung gefallen ist. Professionelle Unterstützung bei der Entscheidungsfindung kann entlastend sein und die Beratungsstellen sind genau dafür da. Falls Sie die Entscheidung zum Abbruch der ungewollten Schwangerschaft treffen, bekommen Sie bei zertifizierten Stellen auch den benötigten Beratungsschein. 
  • Mögliche Methoden sowie den Ablauf des Schwangerschaftsabbruches erörtern wir ausführlich im Kapitel Methoden des Schwangerschaftsabbruches.
  • Falls Sie einen medikamentösen Abbruch in Anspruch nehmen, kann die kostenlose App MedAbb ein nützlicher Wegbegleiter sein und Antworten auf mögliche Fragen während dieser Zeit liefert. Zum Beispiel: Was mache ich bei Übelkeit?  Was mache ich bei Schmerzen? Wie stark darf die Blutung sein? Die App gibt es im Apple Store und bei Google Play.
  • Informieren Sie sich über die auf Sie zukommenden Kosten (siehe dazu Kapitel Kostenübernahme). Bei Abbrüchen nach Beratungsregelung müssen die Kosten für den Eingriff von den Betroffenen selbst getragen werden. Bei geringen Einkommen- und Vermögensverhältnissen haben Sie jedoch Anspruch auf finanzielle Hilfe. Diese müssen Sie allerdings vor dem Eingriff bei der Krankenkasse beantragen. Genauere Informationen zu diesem Antrag erhalten Sie bei einer zertifizierten Beratungsstellen oder den Krankenkassen.

Kostenübernahme

In Deutschland übernehmen die Krankenkassen nur die Kosten für die benötigten Vor- und Nachuntersuchungen (inklusive der ärztlichen Beratung vorher und Therapie von möglichen Komplikationen). Ob die Kosten für den eigentlichen Eingriff übernommen werden, hängt jedoch von der Indikation und Krankenkasse ab. 

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Gesamtkosten bei Abbrüchen nach medizinischer und kriminologischer Indikation. Bei den privaten Krankenkassen sollte direkt nachgefragt werden, da viele nur die Kosten bei einer medizinischen Indikation tragen. Bei Schwangerschaftsabbrüchen, die nach der Beratungsregelung durchgeführt werden (96% aller Abbrüche), werden die Kosten von keiner Krankenkasse getragen und müssen von der Schwangeren selbst bezahlt werden. 

Es ist schwer, pauschale Angaben dazu zu machen, wie viel ein Schwangerschaftsabbruch kostet. Die Kosten schwanken je nach Methode (medikamentös, operativ) oder Anästhesie (örtliche Betäubung, Vollnarkose). Insgesamt kann man laut pro familia mit einem Rahmen von 200 – 570€, laut BZgA von 350 – 600€ rechnen.

Bei geringem Nettoeinkommen (aktuell bis 1216€, Stand 07/2019) kann jedoch ein Antrag zur Kostenübernahme gestellt werden. Der Antrag muss an eine gesetzliche Krankenkasse gerichtet sein und noch vor dem Eingriff beantragt und genehmigt worden sein, damit er gültig ist. Die Krankenkasse wird nach Nachweisen über die aktuelle Vermögenssituationen fragen, jedoch nicht nach den Gründen für den Schwangerschaftsabbruch. 

Die aktuellsten Informationen zur Kostenübernahme erhalten Sie bei den staatlich qualifizierten Beratungsstellen sowie direkt bei den Krankenkassen.

Diese Grafik stammt aus einem Flyer vom Aktionsbündnis Pro Choice Gießen. Er gibt einen Überblick darüber, welche Fristen beim Schwangerschaftsabbruch nach Beratungsregelung gelten.
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