Doctors for Choice Germany

Wahlfreiheit in Sexualität & Familienplanung – für sichere Abtreibung in Deutschland.

EQUIP-Projekt will Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen im 2. Trimester verbessern

Europaweit erleben viele Schwangere, die im zweiten Trimester einen Schwangerschaftsabbruch benötigen, Barrieren zu einer evidenzbasierten und selbstbestimmten medizinischen Versorgung. Hier setzt das neue COST Action Projekt EQUIP an: Das vierjährige Projekt ist die erste europaweite Initiative, um langjährige Versorgungslücken zu schließen. 

Erhebliche Versorgungslücken auch in Deutschland

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, in allen Schwangerschaftsstadien sowohl medikamentöse als auch chirurgische Methoden zur Verfügung zu stellen, jedoch sind chirurgische Methoden wie D&E (Dilatation und Evakuation) in vielen europäischen Ländern nicht flächendeckend verfügbar. In vielen Ländern wird Patient*innen ausschließlich die medikamentöse Geburtseinleitung für Abbrüche im zweiten Trimester angeboten, obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass chirurgische Methoden sicher sind und oft von Patient*innen bevorzugt werden. Dies verhindert in vielen Fällen – auch in Deutschland – eine zeitnahe und evidenzbasierte Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen, Fehlgeburten und akuten Schwangerschaftskomplikationen.

Die Beendigung einer Schwangerschaft im zweiten Trimester ist für Betroffene in der Regel eine psychisch wie auch physisch belastende Situation – vor allem im Zusammenhang mit einer medizinischen Indikation oder Fehlgeburt. Für Betroffene ist es wichtig, dass sie eine umfassende, evidenzbasierte, einfühlsame und nicht stigmatisierende Beratung zu ihren Behandlungsoptionen erhalten und eine selbstbestimmte Entscheidung über die Methode des Abbruchs treffen können. Ist dies gegeben, bevorzugen die meisten Patient*innen im zweiten Drittel der Schwangerschaft die operative Entleerung der Gebärmutter mittels D&E (Dilatation und Evakuation) gegenüber einer medikamentösen Geburtseinleitung. Gründe hierfür sind, dass D&E mit einer kürzeren Eingriffsdauer, besseren Vorhersehbarkeit, geringeren Schmerzen und insgesamt niedrigeren Komplikationsraten verbunden ist. Zusätzlich gibt es medizinische Gründe, die einen chirurgischen Eingriff erforderlich machen. 

Lücken in der Ausbildung für operative Methoden des Schwangerschaftsabbruchs, wenige Mentoring-Möglichkeiten, eine begrenzte Datenerhebung, die Stigmatisierung von späten Schwangerschaftsabbrüchen sowie ein geringes Bewusstsein tragen allesamt zu Ungleichheiten bei der Versorgung bei. Da es sich bei D&E um einen lebensrettenden Eingriff handeln kann, ist es unerlässlich, dass Fachärzt*innen für Geburtshilfe und Gynäkologie in deren Durchführung ausgebildet sind.

Das EQUIP Projekt

Das COST Action Projekt EQUIP – European Network for Quality Uterine Evacuation Integration and Professional Training – bringt Fachkräfte im Gesundheitswesen, Forschende, Patient*innen, Interessenvertretende und politische Entscheidungstragende zusammen, um europaweit nachhaltige Kapazitäten und Zusammenarbeit aufzubauen. In der vierjährigen Projektlaufzeit werden sowohl ein europäisches Netzwerk als auch nationale Netzwerke aufgebaut, um die Ausbildung und Versorgung zu verbessern. Langfristig wird EQUIP dazu beitragen, die Zahl qualifizierter Fachkräfte im Gesundheitswesen zu erhöhen, Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung abzubauen, Gesundheitssysteme an WHO-Standards anzupassen und evidenzbasierte Lehrpläne und Praktiken zu fördern.

Zum offiziellen Projektstart trifft sich das EQUIP Management Committee – bestehend aus Vertreter*innen aus 14 europäischen Ländern – am 28. Oktober 2026 in Brüssel für eine Auftaktkonferenz. Doctors for Choice Germany e.V. ist im Management Committee durch Vorständin Dr. med. Annika Kreitlow und Mitglied Dr. med. Blanka Kothé vertreten. Doctors for Choice Germany hatte zuvor den COST Action Projektantrag sowohl inhaltlich als auch finanziell unterstützt. 

Mehr Information und Teilnahmemöglichkeiten

Mehr über EQUIP können Sie auf der COST Action Projektseite erfahren. 

Mehr zu den konkreten Zielen des Projekts und zu Möglichkeiten des Engagements im Projekt können Sie in diesem englischsprachigen Flyer erfahren. 

Fortbildungsseminar: Die operative Schwangerschaftsbeendigung im späten 1. Trimenon und 2. Trimenon – Theorie und Praxis

Dr. med. Blanka Kothé und Dr. med. Jana Maeffert veranstalten am 12.03.2027 in Berlin ein Fortbildungsseminar für interessierte medizinische Fachkräfte. Mehr Information und Details zur Anmeldung finden Sie hier.

EQUIP-Projekt will Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen im 2. Trimester verbessern
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