Die anstehende Wahl des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) im Oktober 2026 wirft aus Sicht von Doctors for Choice Germany e.V. wichtige Fragen zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit und öffentlichen Repräsentation unserer Fachgesellschaft auf.
Insbesondere besorgt uns die erneute Kandidatur der aktuellen 1. Vizepräsidentin Prof. Dr. med. Angela Köninger für den Vorstand, da sie sich seit Jahren öffentlich in der sogenannten Lebensschutzbewegung engagiert. Jeder Mensch hat das Recht, persönliche ethische und weltanschauliche Überzeugungen zu vertreten und öffentlich zu äußern. Doctors for Choice Germany respektiert dieses individuelle Recht ausdrücklich. Unsere Sorge richtet sich nicht gegen persönliche Meinungen, sondern gegen den möglichen Einfluss solcher Überzeugungen – wenn diese nicht wissenschaftlich fundiert sind – auf die wissenschaftliche Positionierung und die öffentliche Vertretung unserer medizinischen Fachgesellschaft.
So hat Prof. Dr. Köninger bereits in der Vergangenheit ihre Position als Funktionsträgerin der DGGG genutzt, um ihrer persönlichen Haltung als Abtreibungsgegnerin in Stellungnahmen auf unwissenschaftliche Weise Ausdruck zu verleihen und politisch Einfluss zu nehmen.
Zum Beispiel hat sie die Stellungnahme der DGGG an die Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin verantwortet. In dieser Stellungnahme wurde – basierend auf unbelegten Aussagen – empfohlen, an der strafrechtlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs festzuhalten. Diese Position widerspricht internationalen, evidenzbasierten Empfehlungen wie jener der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO, wie auch leitende Fachgesellschaften von Gynäkolog*innen weltweit, empfiehlt aus evidenzbasierter Sicht die vollständige Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. (Siehe z.B. Stellungnahmen der Internationalen Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe FIGO, des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists RCOG und weiteren britischen medizinischen Fachgesellschaften, sowie des führenden Berufsverbands für Fachärzte in der Geburtshilfe und Gynäkologie ACOG in den Vereinigten Staaten.)
Doctors for Choice Germany sieht daher in dieser Kandidatur die Gefahr, dass persönliche weltanschauliche Überzeugungen (weiter) Einfluss auf die wissenschaftliche Positionierung unserer Fachgesellschaft nehmen werden. Vor diesem Hintergrund haben wir einen Brief verfasst, den DGGG-Mitglieder noch bis zum 07.08.2026 unterschreiben können, um den Vorstand der DGGG zu diesem Thema um eine Stellungnahme zu bitten.
Zunächst hatten wir entschieden, diese Aktion nicht öffentlich zu machen und Unterschriften für diesen Brief ausschließlich über persönliche Kontakte zu sammeln, um anschließend in einen direkten Dialog mit der DGGG zu treten. Da heute jedoch ein offener Brief seitens der Fachgesellschaft an ihre mehr als 10.000 Mitglieder versendet wurde, haben wir uns dazu entschlossen, unseren Brief öffentlich zugänglich zu machen, um Missverständnissen vorzubeugen – denn die Darstellung der DGGG teilen wir nicht.
Wir wünschen uns von unserer wissenschaftlichen gynäkologischen Fachgesellschaft einen evidenzbasierten Umgang mit allen Themen rund um reproduktive und sexuelle Gesundheit. Insofern würden wir – gerade auch als Mitglieder der DGGG – einen fachlichen Austausch und Dialog mit dem Vorstand der DGGG jederzeit ausdrücklich begrüßen.
