Doctors for Choice Germany beim FIAPAC-Kongress
Anfang Oktober reisten mehr als fünfzehn Mitglieder von Doctors for Choice Germany nach Barcelona, um an dem Kongress der Internationalen Vereinigung von Fachkräften zu Schwangerschaftsabbruch und Kontrazeption (FIAPAC) teilzunehmen. FIAPAC wurde vor knapp 30 Jahren in Frankreich gegründet und zählt heute mehrere Hundert Mitglieder aus 31 Ländern.
Mitglieder unseres Vorstands und unseres Beirats berichten in diesem Rückblick, warum der FIAPAC-Kongress für Menschen in unserem Berufsfeld besonders bereichernd ist.
“Nirgends sonst sitzen wir in einem gynäkologischen Kreis, in dem für alle selbstverständlich ist, dass Abtreibungen zur medizinischen Grundversorgung gehören, dass alle Hürden abgebaut werden müssen”, berichtet Vorstandsmitglied Jana Maeffert. “Es ist immer wieder inspirierend zu sehen, wo auf der Welt und in welcher Form für das Recht auf Abtreibung gekämpft wird, wo an der Verbesserung der Methoden geforscht wird, wie versucht wird der nächsten Generation etwas beizubringen.”

Internationales Forum der Bündnisse für das Recht auf Abtreibung
In einer eintägigen Pre-Conference des Internationalen Forums der Bündnisse für das Recht auf Abtreibung (International Forum of Alliances for the Right to Abortion) wurden zahlreiche Formen des Aktivismus für die Transformation von Gesundheitssystemen vorgestellt und diskutiert. Beiratsmitglied Gesine Sauer war hier vor allem von der aktivistischen Vernetzung beeindruckt: “Es waren so viele Aktivist*innen aus der ganzen Welt da, die ihre Projekte und ihre Ansätze vorgestellt haben, wie sie mit zunehmenden Einschränkungen und Schwierigkeiten, aber auch mit Liberalisierungen umgehen, wie sie sich organisieren und wie sie zivilgesellschaftliche Bündnisse schließen.” In Zeiten des politischen Rechtsrucks in Deutschland wie auch anderen europäischen Ländern ist es umso wichtiger, voneinander zu lernen und herauszufinden, wie wir uns gegenseitig unterstützen können.
Bessere Versorgung bei Abbrüchen nach dem 1. Trimenon
Als Auftakt des EQUIP-Projektes ging es in einer weiteren Pre-Conference um die Verbesserung der Versorgung mit D&E (Dilatation und Evakuation). Das von Doctors for Choice Germany mit entwickelte Projekt European Network for Quality Uterine Evacuation Integration and Professional Training, kurz EQUIP, wird die europäische Netzwerkbildung, Forschung und Weiterbildung rund um das Thema operative Schwangerschaftsabbrüche im zweiten Trimenon ausbauen. In der Pre-Conference haben Kolleg:innen aus den USA, Neuseeland, Großbritannien, Spanien und dem Balkan am Beispiel ihrer Region jeweils Herausforderungen, aber auch Best Practice Beispiele in der D&E Versorgung vorgestellt.
Im wissenschaftlichen Forum des Kongresses stellten Vorstandsmitglied Annika Kreitlow, Mitglieder Feline Wowretzko und Blanka Kothé und Beiratsmitglied Gesine Sauer ihr gemeinsames Poster zu operativen Schwangerschaftsabbrüchen nach dem ersten Trimenon in Deutschland vor. Ihre vorgestellte Studie zeigt, “dass der operative Schwangerschaftsabbruch sicher und erfolgreich im Rahmen des Routinebetriebs eines deutschen Krankenhauses durchgeführt werden kann, wobei die Komplikationsraten ebenso niedrig sind wie in der internationalen Fachliteratur beschrieben, auch im zweiten Trimester” (FIAPAC Abstractbook).

Exzellenz in der Versorgung für alle Betroffenen
In zwei weiteren Posterpräsentationen von Doctors for Choice Mitgliedern ging es um die Versorgung während und nach medikamentösem Schwangerschaftsabbruch. Jana Maeffert und Annika Kreitlow stellten eine (gemeinsam mit Beiratsmitglied Leonie Kühn) geplante Studie zur Alli App vor. Ziel der Studie ist es zu untersuchen, ob die begleitende Nutzung der App die psychische Belastung von Patient*innen im Rahmen einer medikamentösen Beendigung einer ungewollten oder gestörten Frühschwangerschaft im Home-use reduzieren kann. Mitglieder Maren Janotta und Lena Rehfeld stellten ihre Studie zu niedrigschwelliger Nachsorge vor: “Selbst durchgeführte Nachsorge mittels niedrig sensitivem Schwangerschaftstest nach medikamentösem Schwangerschaftsabbruch: Ergebnisse einer teilweise randomisierten Patientinnenpräferenzstudie”.
Vorstandsmitglied Christiane Tennhardt nahm folgende wichtige Botschaft vom Kongress mit: “Beim Schwangerschaftsabbruch geben wir uns (und auch die Betroffenen) leicht damit zufrieden, das zu akzeptieren, was es gibt und nicht das Beste zu fordern, was möglich wäre.” Für Annika Kreitlow trifft das insbesondere auf die Versorgung im 2. und 3. Trimenon zu: “Alle Betroffenen überall sollten eine freie Wahl über die Methode haben und die bestmögliche Versorgung erhalten können.” Auch wenn wir in Deutschland einerseits noch für die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen kämpfen müssen, können und müssen wir uns gleichzeitig für Exzellenz in der medizinischen Versorgung und den Behandlungsmethoden einsetzen!
